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LA-TOP, 21. Sep 2007

Goldmedaille «made in Taiwan»

Behindertenleichtathletik - Urs Kolly hat an den Leichtathletik Weltspielen in Taiwan die Goldmedaille im Weitsprung und die bronzene Auszeichnung im Speer und den 200 m gewonnen. Es sind dies seine Medaillen Nummer 25, 26 und 27.
Von MICHEL SPICHER, Freiurgerachrichten, Freitag 21. September 2007, Sport

Urs und Hubert

Es ist kein Geheimnis: Der Stempel «made in Taiwan» steht nur selten für gute Qualität. Ob Spielzeugauto, Kaffeemaschine oder Turnschuhe - «made in Taiwan» wird mit billig und schnelllebig assoziiert. Anders sieht die Sache aus, wenn ein Behindertensportler nach Taipeh an die Leichtathletik-WM reist und dort die Goldmedaille im Weitsprung gewinnt. Auch wenn die Medaille «made in Taiwan» sein mag - der symbolische Wert der Auszeichnung bleibt unvergänglich.


6,08 m reichten zum Sieg
Für den Gewinn der Goldmedaille brauchte Urs Kolly in Taipeh, der Hauptstadt Taiwans, einen Sprung auf 6,08 m. Er war der Einzige, der im Weitsprung der Oberschenkelamputierten die magische 6-Meter-Marke übersprang. Für den Behindertensportler des Jahres 2004 eigentlich keine aussergewöhnliche Leistung, schliesslich liegt seine persönliche Bestweite bei 6,68 m - Europarekord. «Die letzten Monate habe ich mein Training stark reduziert. Unter diesem Gesichtspunkt bin ich mit meiner Leistung trotzdem zufrieden», freut sich der 39-Jährige. Denn seit sechs Wochen hält ihn eine Verletzung vom intensiven Training ab, und seine neue berufliche Situation nimmt den Leichtathleten aktuell sehr in Anspruch. «Kürzlich habe ich mir einen Bubentraum erfüllt und in St. Antoni eine Käserei eröffnet.»

Der Autogrammkarte sei Dank
Sage und schreibe 27 Medaillen hat Urs Kolly in seiner Karriere bereits gewonnen. 8 an Europameisterschaften (3 Gold, 3 Silber, 2 Bronze), 12 an Weltmeisterschaften (4/3/5) und 7-mal Gold an den Paralympics. Eine fantastische Leistung, wenn man bedenkt, dass neben einem vollen Arbeitstag hart trainiert werden muss. Wobei dem gelernten Käser die Anzahl Auszeichnungen gar nicht so wichtig ist. «Ehrlich gesagt, weiss ich gar nicht auswendig, wie viele Medaillen ich gewonnen habe», gesteht Kolly. Zum Glück hat er eine Autogrammkarte, auf der er nachschauen kann. «Viel wichtiger ist mir die Freude und die Befriedigung beim Sport.»
Und da diese nach wie vor vorhanden sind, freut sich der Sportler des TSV Düdingen auf die kommenden Paralympics in Peking. Seine Vorbereitung auf diesen Grossanlass beginnt ab sofort. «Jetzt ist wieder fünf Mal in der Woche Training angesagt.»

Titelverteidiger von Athen
Schliesslich hat Kolly im Weitsprung und im Fünfkampf einen Titel zu verteidigen. Kein leichtes Unterfangen, wie der Freiburger erklärt: «In Peking werden mehrere Disziplinen und Kategorien zusammengelegt. So kämpfen neu Teilnehmer mit unterschiedlichen Behinderungen um den gleichen Titel. Mit einer Art Punktesystem wird dann der Schwere der Behinderung Rechnung getragen, und es werden Zusatzpunkte verteilt.» Nur würden nach diesem System zum Beispiel die Oberschenkelamputierten sehr viele Punkte erhalten und so eher bevorzugt.
Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und Kolly wäre nicht Kolly, würde er im September 2008 nicht alles für eine erfolgreiche Titelverteidigung tun. Und vielleicht wird er danach seine Autogrammkarte erneut wieder «à jour» bringen müssen.

Lehrreiche Erfahrung
Zumindest eines haben die Weltspiele von Taiwan dem Taferser gezeigt: «Ich weiss, was mich nächstes Jahr in Peking erwartet. Darum wollte ich unbedingt nach Asien.» Und was erwartet ihn denn? «Ein «Riesendampf», bei dem du darauf achten musst, immer genügend Flüssigkeit zu dir zu nehmen; eine asiatische Küche, die manchem Magen schwer zusetzen kann; und Sprachbarrieren, die nicht überall mit Hilfe des Englischen überwindet werden können.»

 

 

 

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